» » Spaß in der Kletterhalle: Für die besondere Beziehung
22. September 2013 0

Fitness


Klettern liegt im Trend. Der Sport entwickelte sich in den 1970er Jahren aus der Öko- und Aussteigerszene heraus. Es waren die umweltbewussten Menschen, die der Natur nahe sein wollten und die Felsen hinauf stiegen. Heute trifft man alle in der Kletterhalle, quer durch alle Bevölkerungsschichten, Akademiker wie einfache Arbeiter, Kinder, Senioren und Mütter, ganze Familien klettern gemeinsam, und die Kleidung der Kletternden lässt auf die unterschiedlichsten Lebensstile schließen. Warum? Was ist dran an diesem Sport, dass er alle Menschen gleichermaßen anzieht?

Hoher Anspruch für Körper und Geist

Bewegung an der KletterwandKlettern fordert. Man steht im Grunde genommen recht eng an der Wand, was an sich schon einiges an Körperspannung erfordert. Dann muss man sich hinaufbewegen, hält sich mit Fußzehen und Fingern, teilweise nur den Fingerspitzen, in den kleinsten Ritzen und Spalten fest. Natürlich fallen die Klettergriffe für Anfänger/-innen etwas üppiger aus, aber auch da kann man selten den ganzen Fuß aufsetzen. Abgesehen davon sind die Griffe nicht in bequemer Schrittlänge an der Wand angebracht, sondern in den unmöglichsten Abständen. Es ist schon ein bisschen Quälerei, wenn man sich dehnen und recken muss, um dahin zu kommen, wo man sich dann ohnehin nicht richtig festhalten kann. Der Kopf weiß das, der Körper fühlt es, und trotzdem ist es ein unglaublich befriedigendes Gefühl, wenn man wie ein kleiner Affe in alle vier Richtungen gestreckt an der Wand hängt, sich mit der letzten Kraft festklammert – und es am Ende doch bis auf acht, zehn oder fünfzehn Meter Höhe schafft. Das Zusammenspiel zwischen Kopf und Körper muss stimmen, wenn man an der Wand hoch hinaus will, und natürlich muss auch ein bisschen Muskulatur vorhanden sein. Es ist die skeletttragende Muskulatur, die beim Klettern gefordert ist, die Muskulatur, die tief liegt und bei den meisten Sportarten nicht direkt angesprochen wird.

Umfassend trainiert – von innen heraus

Klettern hat viel mit Haltung zu tun. Da ist einerseits die geistige Haltung, die stimmen muss. Ich schaffe das. Ich kenne meinen Körper, ich weiß, was ich mir zutrauen kann. Und ich will es schaffen. Ich gebe nicht gleich auf, ich versuche es wieder und wieder. Ich habe Vertrauen zu meinem Partner, der mich hält. Der mir hilft, wenn es zu schwierig oder zu anstrengend wird. Der mich zappeln lässt (unter Umständen wortwörtlich), wenn ich es schaffen kann und mir nur ein kleines bisschen Mut fehlt.
Wichtig ist beim Klettern vor allem die Haltung. Die Muskulatur, die das Skelett beisammen hält, muss viel leisten, wenn man sich in schrägen und geraden Lagen, an Fingern und Zehen hängend, gestreckt oder gebeugt in der Vertikalen bewegt. Denn auch diese Bewegungsrichtung ist für den menschlichen Körper ungewohnt, fordert. Wer klettert, trainiert so exotische Muskeln wie die, die sich diagonal über den Brustkorb spannen. Nacken- und Halsmuskulatur. Beckenboden auch, denn der gesamte Rumpf wird gefordert. Die bei den meisten Menschen heute so verspannte, leicht verkümmerte, schmerzende Rückenmuskulatur wird beansprucht. Viele Menschen, die von ihrer ersten Klettereinheit kommen, berichten von einer erstaunlich aufrechten, ungezwungenen, leichten Haltung nach dem Klettern. Das ist kein Trugschluss, sondern entspricht der Realität. Durch das abwechselnde Strecken und Ruhen, die rechts und links abwechselnd ausgeübte Kraftanstrengung lockern sich verkrampfte Muskeln im Nacken- und Rückenbereich, werden gedehnt, dürfen abwechselnd arbeiten. Das ist ein Grund, warum Kletterwände im Rahmen von Rückentherapie eingesetzt werden.

Eine starke Beziehung

Es gibt zwei Arten, zu klettern. An den Bouldern klettert man in der Regel alleine, auf sich gestellt. Die Kletterelemente sind bis zu einer Höhe von maximal 3 m aufgebaut, der Boden ist mit dicken Matten ausgelegt. Hier springt man ab oder lässt sich kontrolliert fallen, wenn man „oben angekommen“ ist oder einfach nicht mehr weiter mag. An der Kletterwand geht das nicht, da braucht man einen Partner oder eine Partnerin, man trägt Klettergurt und ist per Seil gesichert. Wer hier klettern will, muss Sport für die Kleineneinen Einführungskurs besucht und Sicherungstechniken erlernt haben. Vertrauen ist wichtig, denn von der Geistesgegenwart, dem Können und der Aufmerksamkeit des Sichernden/der Sichernden hängt das Leben des oder der Kletternden ab. Klettern ist etwas für starke Bindungen, für enge Beziehungen. Oft sind es langjährige Freunde oder Ehepaare, die gemeinsam klettern. Mutter und Tochter, Vater und Sohn, Geschwisterpaare sind ebenfalls häufige Konstellationen. Es fällt auf, dass Probleme in der Beziehung auch an der Kletterwand ausgetragen werden: Der dominante Partner wird sichtbar, mangelndes Vertrauen wird spürbar. Wer nicht vertraut, klettert nicht an der Grenze, sondern immer nur im absolut sicheren Bereich. Umgekehrt können Beziehungen auch an der Kletterwand aufgebaut, aufgefrischt, neu angegangen werden. Das Vertrauen steigt, wenn man sich gegenseitig in Grenzsituationen erlebt.

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