» » Die fünf Säulen der Gesundheit nach Pfarrer Kneipp
Frau Pflege 15. September 2013 0

Wellness

„Kaum irgendein Umstand kann schädlicher auf die Gesundheit wirken als die Lebensweise unserer Tage: Ein fieberhaftes Hasten und Drängen aller im Kampf um Erwerb und sichere Existenz. Es ist kein Wunder, wenn Krankheiten so viele Opfer fordern, denn die Menschheit ist weit von der früheren, einfachen Lebensweise abgewichen. Nicht etwa, dass die Errungenschaften unserer Zeit wieder geopfert werden müssten, aber es muss ein Ausgleich gefunden werden, um die überanstrengten Nerven zu stärken, ihre Kraft zu erhalten; es muss das Gleichgewicht hergestellt werden zwischen Arbeit und Lebensweise – und dem Verbrauch der Nervenkraft.“
Diese Sätze stammen nicht aus unserer heutigen Zeit, sondern von Sebastian Kneipp, dem „Wasserdoktor von Wörishofen“.

Wer war der Wasserdoktor?

aqua spaSebastian Kneipp (1821 – 1897), Dorfpfarrer und medizinischer Laie, redete seinen Mitmenschen ins Gewissen und motivierte sie zur Selbstverantwortung und Selbsthilfe in Gesundheitsfragen.
Er kommt am 17. Mai 1821 in Stefansried/Allgäu zur Welt. Die häuslichen Verhältnisse sind sehr arm. Der Vater verdient als Weber das Geld, die Mutter führt den Haushalt und kennt sich mit der Kraft der Allgäuer Heilpflanzen aus. Das prägte den jungen Kneipp, der gerne Priester werden wollte. Er besuchte das Gymnasium und studierte später Theologie und Philosophie in München. Später erkrankte er an Tuberkulose, doch Sebastian Kneipp gab nicht auf und kurierte sich mit kalten Tauchbädern.
Allerdings war er nicht der Erste, der sich mit der Heilwirkung des Wassers auseinandersetzte. Er entwickelte eine umfassende Theorie und erkannte schon damals, dass zur Gesundheit des Menschen mehrere Kriterien gehören. Seine Erkenntnisse, die leicht in den Alltag zu integrieren sind und den Körper mit dem Geist verbinden, stellte er mit fünf Säulen auf.

Die Kneipp Kur und ihre fünf Säulen

Die Therapie nach Kneipp besteht aus:
– der Hydrotherapie: Wasseranwendungen sollen die Selbstheilungskräfte aktivieren
– der Phytotherapie: wirksame Heilpflanzen treten den Kampf die Alltagsbeschwerden an
– der Ernährungstherapie: Hinweise und Tipps zur einer ausgewogenen Ernährungsumstellung
– der Bewegungstherapie: ein aktives und passives Muskeltraining zur Erhaltung der körperlichen und seelisch-geistigen Spannkraft
– der Ordnungstherapie: unter Berücksichtigung des biologischen Tagesrhythmus das richtige Maß an Anspannung und Entspannung finden

Die Wasserheilkunde

Duschen und Bade in der NaturSie ist die bekannteste Kneipp Methode. Zu seinen Zeiten war die Heilwirkung noch umstritten, derweil ist sie wissenschaftlich bewiesen. Zu den Anwendungen gehören Güsse, Bäder, Wickel und das Wassertreten. Durch verschiedene thermische Reize wird der Körper abgehärtet und seine Durchblutung gefördert. Das Wasser dient als Reizauslöser auf der Haut. Die natürlichen Lebensreize steigern die Leistungsfähigkeit und die Abwehrkräfte.
Die Anwendungen können leicht in den Tagesablauf ohne viel Aufwand eingegliedert werden. Eine regelmäßige Anwendung vervielfacht ihre Wirkung.

Die Heilpflanzen

Die zweite Säule ist die Kräuterheilkunde. Kneipp hatte die Wirkung von etwa fünfzig Heilkräuter ausführlich studiert. Er empfahl sie innerlich in Form von Tee und Säften, äußerlich als Anwendung von Salben, Ölen, Einreibungen oder als Zusatz von Bädern, Tinkturen und Wickeln. In Gerichten sind sie nicht nur ein Augenschmaus, sie entfalten ihren vollen Geschmack und haben zusätzlich eine innere Wirkung. In der Phytotherapie werden keine chemischen Medikamente verwendet, sondern nur rein pflanzliche und natürliche Produkte. Was die pflanzlichen Heilmittel wertvoll macht, ist das Zusammenwirken der einzelnen Inhaltsstoffe, deren natürliche Kombination nicht zu erzeugen ist.

Die Ernährung

„Du bist, was Du isst.“ Den Spruch kannte auch Pfarrer Kneipp. Er stelle Ernährungsregeln auf, die heute wissenschaftlich bestätigt sind. Wir wissen, dass viele Krankheiten sich durch eine gesunde Ernährung vermeiden lassen oder deren Verlauf sich günstiger gestaltet. Kneipp stellte eine vielseitige Vollwertkost in den Mittelpunkt. Er plädierte für eine sinnvolle und maßvolle Ernährung, die mit Ruhe, nicht nebenher und in Hast und Eile aufgenommen wird.
Die tägliche Vollwertkost sollte bestehen aus:
-Vollkornbrot,
– Pflanzliche Produkte, nichts künstliches
– Frischkost
– wenig Salz, wenig Süßigkeiten
– wenig Fleisch
– alles in Maßen und keine Völlerei
– reichlich Flüssigkeit
– weiterhin spielen die Kräuter eine wichtige Rolle.

Die Bewegung

Fitness OutfitZu einem gesunden Leben gehört auch Bewegung – das wusste bereits Pfarrer Kneipp. Herz und Kreislauf werden stimuliert und Übergewicht hat keine Chance. Welche Bewegung es ist, ist völlig egal. Hauptsache öfter und kurz als einmal lang. Die Regelmäßigkeit und der Spaß an der Sache ergeben den Sinn. Drei bis fünf Mal pro Woche jeweils 20 Minuten Aktivität ist das Maß der Dinge. Ausdauersport bringen Kreislauf und Stoffwechsel in Schwung, Kraftsport und Gymnastik stärken die Muskeln.

Die Lebensgestaltung

Die fünfte Säule ist die Ordnungstherapie – Kneipp meint damit den bewussten Lebensrhythmus. Körper, Geist und Seele sollen eine Einheit bilden.
Er legte diese Grundregeln fest:
– Hören Sie auf Ihren Körper und reagieren Sie auf das, was er verlangt.
– Sorgen Sie für ein ausgeglichenes Maß von Ruhe und Aktivität.
– Lernen Sie abzuschalten.
– Nehmen Sie sich die Zeit, eigene Grenzen kennenzulernen und die eigene Einstellung zu prüfen.
Ein gesundes Mittelmaß ist ideal und erstrebenswert.

Fazit:

Wie meinte Pfarrer Kneipp: „Den drei Sünden (Verweichlichung, Genusssucht, Eitelkeit) will ich drei Tugenden entgegenstellen. Abhärtung gegen Verweichlichung, Einfachheit gegen Eitelkeit, Genügsamkeit gegen Genusssucht. Mit diesem Rezept könnte man alle Menschen glücklich und zufrieden machen.“

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