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22. September 2013 0

Tattoo


Tätowierungen sind, in ihrer modernen Ausprägung, eine westliche Sache. Der Westen, das sind die klassischen Industrienationen, die westeuropäischen Länder und die USA. Tätowierungen drücken Lebensstil aus, Gruppenzugehörigkeit, sind Identifikation wie Mode. Ehemalige Gefängnisinsassen haben ihre eigenen Tätowierungen, Kriminelle lassen sich über diverse Symbole und Codes als Bandenzugehörige identifizieren. Was für die negativen Elemente der Gesellschaft gilt, das gilt auch im positiven Sinn.

Tätowierungen in Japan

Viel wissen professionelle Tätowierer über die Kunst mit der Bambusnadel in Japan zu berichten. Es gibt Meister, die wie Gottheiten verehrt werden, Tätowierte, die man besser nicht anspricht, und vielen fehlt das letzte Glied des kleinen Fingers … Mythen und Legenden, Halbwissen, die sich um die legendären Drachenmotive ranken. Nackte Schönheiten, Koi und Schildkröten, Kraniche und dramatische Wolkenwirbel – was wird da tätowiert, und wer tätowiert wen?

Traditionelle Kunst

Die Ursprünge der Tätowierungen lassen sich in Japan nicht so leicht zurückverfolgen. Vermutlich waren es die Ainu, eine in Stämmen organisierte Minderheit von Ureinwohnern, die im Laufe der Jahrhunderte auf die nördlichen Inseln zurückgedrängt wurde, die in Japan für die Tätowierungen verantwortlich waren. Bis heute sind Mitglieder der Ainu mit Symbolen und einfachen Motiven verziert, es gehört zu ihrem kulturellen Erbe, tätowiert zu sein. Allerdings unterscheiden sich diese eher einfachen Zeichnungen erheblich von den sehr kunstvollen Tätowierungen, die man normalerweise mit Japan in Verbindung bringt.

Wirklich beliebt wurde die Körperkunst in den japanischen Metropolen der Edo-Zeit, ab dem 17. Jahrhundert also. Die etwas zweilichte und sehr körperbetonte Kunst der Schauspielerei, die bald auf Männer beschränkt wurde, und die als große Künstlerinnen und Gesellschafterinnen verehrten, gut ausgebildeten Kurtisanen ließen sich gerne verzieren. Innerhalb dieser beiden Szenen, die eng miteinander verknüpft waren, entwickelten sich die kunstvollen Motive, die komplexen Gemälde, die man noch heute mit japanischer Tätowierkunst in Verbindung bringt.

So beliebt die Träger und Trägerinnen der schönen Künste in der Edo-Zeit waren, so sehr waren sie auch verfolgt. Schauspieler standen generell unter dem Verdacht des Lotterlebens und der Homosexualität, sie waren von der Obrigkeit aufgrund der Störung der öffentlichen Moral nicht besonders geliebt. Ähnliches galt für die Kurtisanen. Die sehr gut ausgebildeten, in Malerei, Literatur, Musik und Umgang geschulten und redegewandten Damen waren eigentlich Gesellschafterinnen auf hohem Niveau – sie sollten Kurzweil verschaffen. Nur die wenigsten von ihnen waren tatsächlich Prostituierte. Dennoch geriet die Geisha immer weiter in die zweilichte Ecke und schließlich stand der Beruf wie der des Schauspielers der Prostitution gleich.

Die Motive

Japanische Tätowierungen sind ausdrucksstark und überaus farbenfroh, meist sind buddhistisch motiviert. Der Drachen ist ein Wasserwesen, das Kühle und Regen bringt, durchaus fruchtbar und mächtig ist, aber auch zum menschenfressenden Ungeheuer werden kann. Der Tiger ist der Antagonist des Drachen, er steht für die Hitze, die Sonnenglut, die Trockenheit. Damit ist auch er mit Gefahr assoziiert, kann aber ebenso zum Wohltäter werden. Kois sind Glücksbringer. Wie Goldfische symbolisieren die rotgoldenen Fische Reichtum, sollen materiellen Segen bringen. Schildkröten stehen für langes Leben und Gesundheit, Kraniche für natürliche Schönheit, Eleganz und Klarheit. Die alles umgebenden Wolkenwirbel zeigen schlicht die Macht an, mit der mythische Wesen den menschlichen Alltag bestimmen, die Kraft, die sie haben, wird deutlich. Lotusblüten verweisen auf das Nirwana, das buddhistische Jenseits voller Erlösung, das Ende der Wiedergeburt. Und mehr oder minder bekleidete weibliche Schönheiten sind in der Regel Darstellungen der Kannon, eines ursprünglichen männlichen Bodhisattvas. In Japan ist diese Figur weiblich, sie steht für Wohlwollen, für Harmonie und Barmherzigkeit.

Heutige Situation in Japan

Anders als im Westen sind Tätowierungen in Japan nicht alltäglich und keinesfalls in breiten Bevölkerungsschichten zu finden. Sie sind ein Kennzeichen der Yakuza, Mitglieder der Banden organisierten Verbrechens. Da diese kriminellen Elemente offiziell nicht geduldet sind, dürfen sich tätowierte Menschen an öffentlichen Orten, wo nur wenig Haut bedeckt ist, nicht zeigen. Schwimmbäder, öffentliche Badehäuser und manche Hotels verbieten Tätowierten den Zutritt – so sollen Treffen von Bandenmitgliedern an diesen Orten verhindert werden. Und in Japan nimmt man es genau: Was für Japaner gilt, gilt auch für Ausländer. Es ist keineswegs diskriminierend oder sonstwie kompromittierend gemeint, wenn ganz offensichtlich hellhäutige, blauäugige Damen des Bades verwiesen werden. Natürlich nehmen japanische Banden keine Europäer auf. Aber Vorschrift ist Vorschrift … wie in Deutschland. Tätowierungen können abgedeckt werden, dann bekommt man Zutritt.

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