» Stroh zu Gold: Upcycling beim Schmuck
20. August 2015 1

Für viele Menschen ist Upcycling schon jetzt weit mehr als eine Ideologie, die durch Wiederverwendung scheinbar nutzloser Materialien die Umwelt schützen will: Die meisten Anhänger dieses Trends lieben schlichtweg die überraschend neue Optik der Produkte. Nicht wenige stellen sich sogar selbst der kreativen Herausforderung, Möbel, Wohnaccessoires oder Kleidung aus gebrauchten Weinkisten, Omas Silberbesteck oder alten Fahrradschläuchen zu kreieren.

Nun hat dieser Trend auch den Schmuck erfasst.

Von den Punks abgeschaut

ausgefallene-ohrringeIn vielen ärmeren Ländern ist es ganz selbstverständlich, dass zum Beispiel Matten oder Körbe aus alten Plastikprodukten geflochten werden.

Doch auch auf unseren Straßen gehören Schmuck und Accessoires aus „Schrott“ schon lange nahezu unbemerkt zum Alltagsbild:
Für das Styling eines Punks ist es fast schon obligatorisch, Ohrringe aus (möglichst bunten) Kronkorken zu tragen. Ebenso beliebt sind Armbänder oder sogar ganze Kettengeflechte aus Dosenverschlüssen.

Was ursprünglich Protest gegen ein normiertes Schönheitsempfinden der breiten Masse sein sollte, spricht aber schon längst auch unseren Sinn für Ästhetik an.

Schmuckdesigner greifen den Trend auf

Schaut man sich auf aktuellen Designmessen und -Märkten um, fallen immer mehr Aussteller mit Upcycling-Ideensilberne-kette ins Auge.
Aber auch in den großen deutschen Schmuckstädten Idar-Oberstein, Pforzheim und Hanau, wo junge Schmuckdesigner ausgebildet werden, steht die Arbeit in den Ideenschmieden nicht still.

In Hanau wurde Anfang 2015 Sam Tho Duong zum Stadtgoldschmied ernannt. Der international hoch angesehene Nachwuchskünstler, der aus Vietnam stammt und in Pforzheim lebt, arbeitet neben den üblichen Schmuckmaterialien auch mit Kirschkernen, Schuhbändern, Plastikfläschchen und sogar Toilettenpapier. Besonders zart wirkt sein Halsschmuck aus alten Joghurtbechern, die, fein ausgeschnitten, an Spitze erinnern.

Sicher sind derartige Kunstobjekte sehr experimentell und kaum für den Alltagsgebrauch geeignet. Hier sind die Trägerinnen selbst gefordert.

Stroh zu Gold – probieren Sie es selbst

statement-ketteDas Schöne an diesem Trend ist: Wir alle können uns ganz leicht selbst als Designer versuchen – die Materialien sind günstig und stehen überall und jederzeit zur Verfügung und man braucht kaum Hilfsmittel wie Zangen oder Bohrer.
Der Phantasie sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt und wirklich jedes Objekt kann eine Quelle der Inspiration sein.

Wie im Märchen vom Rumpelstilzchen, in dem Stroh zu Gold gesponnen wird, können auf diese Weise völlig einzigartige und individuelle Kostbarkeiten entstehen, die den Charakter und die Eigenheiten der Trägerin unterstreichen.

Wenn Sie etwa einen bestimmten Saft besonders lieben, reinigen Sie doch den Karton beim nächsten Mal anstatt ihn wegzuwerfen. Mithilfe von Reißverschlüssen, Druckknöpfen oder Schnallen kann daraus im Handumdrehen ein außergewöhnliches Armband werden.
Wer etwas edlere Materialien bevorzugt, kann sich an Besteckteilen, gebrauchten Werkzeugen oder Schlüsseln versuchen. Trödelläden und Antiquitäten-Flohmärkte können wahre Goldgruben für solche Fundstücke sein.
Einfach ganz offen der eigenen Modesucht frönen, sich kreativen Herausforderungen stellen und dabei noch Gutes für die Umwelt tun – was will man mehr?

Der Moderebell in jedem von uns

Was wir am Upcycling so sehr lieben, ist der Hauch von Anarchie, der uns dabei umgibt, Bilder von autonomen Kulturzentren vor unserem geistigen Auge und die Auflehnung gegen die Uniformität der Modeindustrie.

Goldschmuck ist zweifellos eine sehr beständige Wertanlage, doch Mode und insbesondere Schmuck sind viel mehr als das: Sie sind Ausdrucksformen unserer Persönlichkeit und Individualität. Für alle, die sich nicht dem Diktat der Designer unterwerfen wollen, heißt es daher: Nicht alles, was Gold ist, muss glänzen.

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