» » Polynesiens traditionelle Tattoo-Kunst
22. September 2013 0

Tattoo

Tätowierte Menschen hatten vor 20 Jahren noch den Ruf, irgend etwas Verbotenes getan zu haben, denn oft wurden sie nur bei ehemals Inhaftierten gesehen. Mittlerweile sind Tätowierungen in unseren Breitengraden zu einem beliebten permanenten Hautschmuck geworden. Die Auswahl der Motive ist umfangreich, der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. In Polynesien, eine Inselgruppe inmitten des pazifischen Ozeans, haben Tattoos schon lange Tradition. Schon 1796 berichtete der britische Entdecker James Cook als Erster von den polynesischen Tatauierungen. Damals erregten die unter die Haut gebrachten Farbpigmente großes Aufsehen. Viele Seeleute ließen sich nach traditioneller Art tätowieren und verbreiteten so diese einzigartigen Hautverzierungen.

Tattoos als Statussymbol in Polynesien

Die traditionelle Kunst des Tätowierens hat in Polynesien schon lange Tradition. Besonders in Tonga, aber auch bei den neuseeländischen Maori gab es zwei Techniken für die dauerhafte Hautbeschmückung. Bei der sanften Methode, auch „smooth“ genannt, wurde die Haut mit einem nadel- beziehungsweise kammartigen Gegenstand gepickt. Die gravierende Methode, „grooved“ genannt, wurde aber nur von den Maori angewendet. Hier wird die Haut mit einer Art Skalpell eingeritzt, um dann im Anschluss die Farbe in die Haut einzureiben. Die traditionellen Motive Polynesiens folgen uralten flächigen Mustern, die von Linien umgrenzt sind und sehr oft über ganze Körperpartien, wie zum Beispiel den gesamten Rücken, zu finden sind. Eigentlich waren Tätowierungen nur Männern erlaubt und meistens dienten sie dazu, den Status des Mannes sichtbar zu machen. Zukünftige Titelträger erhielten über Wochen hinweg Motive aus linien- und bandartigen Ornamenten, sowie Dreiecke und Rechtecke, die im Lendenbereich von Bauchnabelhöhe bis zu den Knien einen besonderen Platz erhielten. Aber auch Frauen ließen sich tätowieren, wobei die Motive eher an Stellen angebracht wurden, an denen sie nicht so offensichtlich für alle zu sehen waren, wie beispielsweise an der Innenseite der Schenkel. Aber auch die Kniekehle und der Handrücken waren beliebte Stellen für Tattoos der weiblichen polynesischen Bevölkerung. Die Motive waren meist kleine Einzelmuster, sogenannte Punktornamente.

Tatoos mit Bedeutung

So eine Tätowierung ist eine Entscheidung fürs Leben. Das Besondere an den polynesischen Tattoos ist die Bedeutung der Ornamente für den Träger. Traditionellerweise sind diese Tattoos für Polynesier auch heute noch ein Erkennungszeichen, welcher Familie, welchen Stamm sie ursprünglich angehören. Moko ist die Bezeichnung solcher Tattoos, die auch heute noch kunstvoll und nach der traditionellen Technik in Neuseeland von Profis durchgeführt wird. Dieser Tätowierer folgt nicht einfach nur den Wünschen des Kunden, sondern er erfragt seine Lebensgeschichte und die seiner Familie, um die passenden Motive dafür in die Haut des Tätowierten in Form von symbolischen Ornamenten zu verewigen. Aber es gibt auch Tattoo-Meister, die mit herkömmlichen Methoden, ganz simpel gesagt einer Tattoo-Maschine, die Moko´s immer noch schmerzhaft genug unter die Haut bringen. So großflächige Tattoos bedeuten auch immer eine ebenso große Wunde, die ihre Zeit braucht, um zu verheilen. Aber die Bedeutung der Moko´s sind nicht nur lebensgeschichtlicher Natur. Symbole haben Kraft und Wirkung. Im Fall eines Tattoos nach traditionell polynesischer Art verleihen diese Symbole dem Träger Stärke und Würde, wobei viele davon überzeugt sind, mit so einem Tattoo ihr Leben nicht nur äußerlich verändern zu können.

Tattoo der besonderen Art

Es gibt viele Möglichkeiten, sich die Haut verzieren zu lassen. Wer aber ein richtiges Ritual aus so einem Akt machen möchte, dem bietet die Jahrtausend alte Symbolik der Polynesier eine ganz besondere Art, diesen „Bund fürs Leben“ einzugehen. Die Ornamente der Pazifikbewohner sind wunderschön und einzigartig. Sie werden individuell auf den Träger angepasst. So eine Tattoo-Sitzung hat fast schon etwas therapeutisches, da mit einem Moko die ganze Lebensgeschichte sozusagen auf den Punkt gebracht wird. Mit einem Moko erhält der Träger ein Tatoo der ganz besonderen Art, das seine Lebensgeschichte verewigt und ihm Kraft und Stärke verleiht.

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