» » Kann Homöopathie tatsächlich heilen?
Homöopathie 13. Februar 2014 0

Gesundheit

Die Homöopathie erfreut sich in Deutschland großer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es in Deutschland etwa 28.000 Heilpraktiker – etwa ein Viertel davon sind Frauen – sowie zahlreiche Ärzte mit einer homöopathischen bzw. alternativmedizinischen Zusatzausbildung. Die Zahl der Heilpraktiker sowie auch die Zahl der niedergelassenen Ärzte mit Zusatzausbildung ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen, Schätzungen besagen, dass mindestens die Hälfte der deutschen Bevölkerung – manche behaupten sogar, bis zu 80 Prozent der Deutschen – regelmäßig einen Heilpraktiker aufsuchen. Gleichzeitig erscheinen regelmäßig Artikel und andere redaktionelle Beiträge in den Medien, die die Homöopathie und andere alternativmedizinische Verfahren als unwirksam entlarven. Was also ist dran an diesem scheinbaren Gegensatz?

Homöopathie – nur ein Placebo?

Die Homöopathie wurde im 18. Jahrhundert durch den deutschen Arzt Samuel Hahnemann entwickelt. Hahnemann wollte den recht brutalen Heilmethoden seiner Zeit eine sanftere Medizin entgegen setzen. Damals galt noch die sogenannte Vier-Säfte-Lehre als medizinischer Grundsatz. Diese besagte, dass die vier Körpersäfte Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle miteinander im Gleichgewicht sein sollten. Anderenfalls entstünden Krankheiten. Gemäß dieser Lehre waren also brachiale Methoden wie etwa der Aderlass oder die Gabe von Abführ- und Brechmitteln bei fast allen Erkrankungen die Regel. Grundsätzlich ist die Homöopathie also als Gegenentwurf und Kritik zur unwirksamen Medizin des 18. Jahrhunderts entstanden – kann daraus geschlussfolgert werden, dass die Homöopathie selbst wirksam ist? Neuere Studien sprechen dagegen. In keiner einzigen wissenschaftlichen Studie konnten homöopathische Medikamente eine Wirkungsweise zeigen, die über die eines Placebos hinausgeht. Und doch schwören immer mehr Menschen auf die Homöopathie. Wie erklärt sich dieser Widerspruch?

Homöopathie – den Menschen als Ganzes wahrnehmen

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist die Homöopathie Quacksalberei, ja kann dem Patienten sogar Schaden zufügen, wenn etwa bei ernsthaften Erkrankungen statt einer erwiesenermaßen wirksamen Therapie homöopathische Mittel eingenommen werden. Doch auch wenn die Mittel unwirksam sein mögen, die Art der Behandlung scheint trotzdem für eine Verbesserung und sogar Heilung zu sorgen. Der Grundsatz eines jeden Heilpraktikers ist die ganzheitliche Behandlung. Vor der eigentlichen Diagnose und dem Ausgeben eines Rezeptes gegen die Beschwerden bzw. gegen die Krankheit steht ein ausführliches Anamnesegespräch, dass in vielerlei Hinsicht mehr einer psychotherapeutischen Sitzung ähnelt. In diesem Gespräch versucht der Heilpraktiker möglichst viele Informationen über seinen Patienten zu sammeln, denn die Wahl seines Heilmittels beruht zum Teil auch auf dessen Persönlichkeitsstruktur. Diese Behandlungsweise ist der große Vorteil des Heilpraktikers gegenüber einem Schulmediziner, der meist nur wenige Minuten Zeit für seinen Patienten aufbringen kann. In einem solchen umfassenden Gespräch, sensibel nach dem Krankheitsverlauf und seinen Lebensumständen befragt, fühlt sich der Patient ernst genommen – als Patient und als Mensch. Er kann sich seine Sorgen und Gedanken von der Seele reden, womit ein Teil der Heilwirkung tatsächlich schon erfüllt wird. Persönliche Zuwendung und Anteilnahme bewirken im Verlauf einer Heilung sehr viel, zudem versetzt der Glaube bekanntlich Berge.

Voneinander lernen

Zuwendung und Glaube erklären den erstaunlichen Erfolg der Homöopathie, die objektiv betrachtet eigentlich wirkungslos ist. Daraus lässt sich allerdings eine wichtige Erkenntnis ziehen, nämlich, dass die Schulmedizin sehr viel von der Alternativmedizin lernen kann. Eine dem Patienten zugewandte, persönliche Diagnostik in der Schulmedizin würde bedeuten, dass viele Rezepte unnötig wären – und viele Menschen sich besser behandelt fühlten. Umgekehrt können aber auch die alternativen Medizinen sich etwas von der Schulmedizin abschauen, nämlich das Prinzip der Wissenschaftlichkeit. Eine Wirkungsweise nur zu behaupten ist schließlich etwas ganz anderes, als diese tatsächlich in wissenschaftlichen Studien nachweisen zu können.

Bewerten Sie diesen Artikel
Bewertung 0 / 5 (0 votes cast)
0RETWEETSTweet
0GOOGLE +1+1
0SHARESTeilen

Ähnliche Artikel

Kommentare0

Schreibe einen Kommentar

Neu in Gesundheit